Luna Darko über ihr Buch „Vergessene Kinder“ | EVT 16.03.2017

 

Die Idee zu „Vergessene Kinder“ hattest du bereits mit 16. Wie hat sich das Schreiben für dich gestaltet? Wann wurde ein Roman daraus?

 

Damals habe ich selbst in dem Wohnheim gelebt, in dem Pia in meiner Geschichte lebt. Ich hatte kein Internet in meinem Zimmer – zu der Zeit gab es auch noch kein mobiles Internet (zumindest nicht in der Form, wie das heute der Fall ist; damals hat man sich höchstens ausversehen eingewählt und hat sich später über die hohe Telefonrechnung gewundert). Ich hatte jedoch einen alten PC im Zimmer stehen, auf dem ein Textverarbeitungsprogramm installiert war. Ich habe es immer genossen, Erlebtes zu verarbeiten, indem ich mir Charaktere und Geschichten dazu ausdenke – so auch hier. „Vergessene Kinder“ hieß anfangs „Pia & Tom“, eine Geschichte, die jahrelang in einem Ordner auf meiner externen Festplatte verstaubte. Als ich einen Teil daraus vorlas und auf YouTube teilte, gab mir das positive Feedback die Motivation, die Geschichte zu überarbeiten. Ein Roman wurde wahrscheinlich in dem Moment daraus, als ich die Möglichkeit erkannte, daraus eine abgeschlossene Geschichte zu machen.

 

Tom beschreibt im Buch, dass Kunst für ihn etwas ist, das man nicht plant, sondern das einfach aus einem heraussprudelt. Erging es dir genauso bei deinem Buch?

Mir ergeht es immer so, beim Schreiben, Malen und auch beim Schneiden meiner Videos. Ich bin fast schon besessen von der Idee der ungefilterten Wahrheit und mag es, mich selbst zu überraschen und mich in Arbeitsprozessen zu verlieren.

Deine Kunst drückst du durch viele Seiten aus: Bilder, Videos, Texte. Welche Bedeutung hat insbesondere das Schreiben für dich?

 

Schreiben war für mich immer die einfachste Möglichkeit, etwas faktisch festzuhalten. Seit ich es kann, führe ich Tagebücher, weil mich der Gedanke fasziniert hat, meine Gedanken auf diese Art zu konservieren. Ich habe das Gefühl, mein Gedächtnis dadurch sogar ein bisschen trainiert zu haben. Ehrlich gesagt habe ich aber niemals jemanden etwas von mir lesen lassen, deshalb habe ich selbst auch gar keine Vorstellung davon, wie man meinen Schreibstil einordnen könnte.

 

„Vergessene Kinder“ ist eine sehr persönliche Geschichte von dir. Du schreibst in der Einleitung, dass in jedem deiner Charaktere ein Teil von dir selbst steckt. Welche der Figuren hat dich selbst am meisten fasziniert, damals mit 16 und auch heute?

 

Keiner der Charaktere ist wie ich, aber dennoch steckt überall ein bisschen von mir selbst. Ich würde behaupten, Pia hat ein bisschen mehr von meinem 16-jährigen Ich in sich und Tom war für mich damals jemand, den ich mir in meinem Leben gewünscht hätte. Heute bin ich ein bisschen wie er und vielleicht habe ich deshalb auch noch mehr von meinem heutigen Ich in seinen Charakter einfließen lassen. Fasziniert hat mich, glaube ich, immer Finn am meisten – ich liebe seine aufgedrehte Art und bewundere ihn auch auf vielen Ebenen.

 

Die beiden Protagonisten Pia und Tom sind sehr verschieden und doch haben sie eine besondere Verbindung und schaffen es, sich gegenseitig zurück ins Leben zu holen. Warum finden gerade diese beiden zueinander?

 

Sie sind beide auf ihre eigene Art sehr abgeklärt und verschlossen. Als sie aufeinandertreffen, können sie einander nicht einschätzen und das ist es, was diese Anziehung zueinander auslöst. Neugier, Interesse, eine interessante Abwechslung zu den Kontakten, die sie sonst pflegen, weil sie es beide nicht gewohnt sind, das Gegenüber so wenig einschätzen zu können. Obwohl sie so verschiedenen sind, sind sie sich über die wesentlichen Dinge eigentlich sehr einig, was aber erst mit der Zeit zum Vorschein kommt.

 

In „Vergessene Kinder“ geht es um die Suche nach sich selbst, um Gesellschaftskritik, Liebe, Tod, Drogen, Oberflächlichkeit, Träume und vieles mehr. Woher kommen deine Inspirationen und wie viel Autobiografisches steckt darin?

 

Es ist schwierig für mich, da eine genaue Grenze zu ziehen. Wahrheit und Fiktion verschwimmen in dieser Geschichte sehr stark miteinander. Viele einzelne Situationen sind tatsächlich fast schon autobiografisch und manche Passagen der Tagebucheinträge stammen auch wirklich aus meinem damaligen Tagebuch. Die Haupthandlung allerdings ist reine Fantasie.

 

Wusstest du schon zu Beginn, wie die Geschichte ausgehen würde?

 

Nein. Alles, was ich hatte, waren die Charaktere, die Begebenheiten, in denen sie sich befinden, und viele kleine Situationen, die ich im Kopf mit ihnen durchgespielt habe. Man könnte schon sagen, sie haben mich zu diesem Ende geführt.

 

In den Randnotizen finden sich immer wieder Songtitel, Notizen und Fotos, die dem Ganzen eine bestimmte Stimmung verleihen. Welchen Soundtrack würdest du deinem Buch verleihen, wenn es ein Film wäre?

 

Die Songliste, die auch auf der letzten Seite noch einmal auftaucht, wäre der perfekte Soundtrack!

 

Hast du einen absoluten Lieblingssatz in deinem Buch?

 

Den einen Lieblingssatz gibt es nicht, ich könnte mich da niemals entscheiden! Aber zu meinen Lieblingen gehört: »,Wenn draußen so richtig draußen wär, dann wäre ich jetzt gern draußen‘ , durchbrach Pia die Stille und Tom verstand.«

 

Kannst du dir vorstellen noch weitere Romane zu schreiben?

 

JA!! :)

 

Das Interview stellen wir gern zum honorarfreien Abdruck zur Verfügung. Bei Kürzungen oder Änderungen des Interviews, bitten wir Sie um Rücksprache.

Kontakt: Bastei Lübbe AG, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,

                Sarah Fußhoeller, sarah.fusshoeller@luebbe.de, Tel: 0221-8200-2867